Liebe Kaltererinnen und Kalterer,
„Gemeinsam unter einem Dach“ – so lautet das Jahresthema unserer Schule. Ein einfacher Satz, der bei genauerem Hinsehen auch viel mit unserem Dorf und unserem Zusammenleben zu tun haben kann.
Unter einem Dach ist nicht immer alles gleich. Es gibt unterschiedliche Meinungen, Interessen, Generationen und Lebensentwürfe. Entscheidend ist nicht, dass wir uns in allem einig sind. Entscheidend ist, dass wir miteinander im Gespräch bleiben und gemeinsam Verantwortung für das übernehmen, was uns verbindet.
Gerade in den vergangenen Monaten haben wir in Kaltern erlebt, wie schnell Diskussionen schärfer werden können. Ob es um unseren Kalterer See, um eine Jugendgruppe, das Klosterareal oder andere Themen geht: Kritik und unterschiedliche Positionen gehören zur Demokratie. Was uns aber nicht weiterbringt, sind persönliche Angriffe oder politische Schüsse von Linksaußen und von Rechtsaußen.
Gerade in den Kommentarspalten sozialer Medien wurden in den vergangenen Monaten viel zu oft rote Linien überschritten. Auch unter einem gemeinsamen Dach muss Kritik möglich sein, aber mit Respekt vor dem Menschen, der anderer Meinung ist. Mit Respekt vor allem vor jedem Mitbürger. Die abgefeuerten Angriffe machen leider die Gräben tiefer, lösen aber kein Problem. Und sie helfen letztlich auch jenen nicht, die sie abfeuern.
Bei sämtlichen Themen gilt: Wir müssen klare Grenzen setzen, wenn es notwendig ist. Aber wir dürfen Menschen nicht vorschnell abstempeln oder verlieren. Wer dazugehören soll, muss auch die Möglichkeit bekommen, dazuzugehören.
„Gemeinsam unter einem Dach“ bedeutet für mich deshalb nicht Harmonie um jeden Preis. Es bedeutet, Unterschiede auszuhalten, miteinander zu reden und immer wieder nach (neuen) Lösungen zu suchen. Denn unter einem Dach ist Platz für viele Meinungen. Entscheidend ist, dass wir es nicht gegenseitig über unseren Köpfen einreißen.
Euer Bürgermeister
Christoph Pillon